The Choral
Nordengland 1916: Durch den ersten Weltkrieg verliert eine kleinstädtische Chorgemeinschaft nahezu alle männlichen Mitglieder, schließlich geht auch der Chorleiter an die Front. Man ist beinahe froh, ihn los zu sein, seine Kompetenzen waren überschaubar. Doch wer soll ihn ersetzen? Die Wahl fällt gegen einigen Widerstand auf Dr. Henry Guthrie (Ralph Fiennes), einen ausgewiesenen musikalischen Experten. Seine Nonkonformität, er ist Atheist, homosexuell und hat viele Jahre in Deutschland gelebt, ist so manchem honorigen Mitbürger ein Dorn im Auge. Dr. Guthrie ficht das nicht an. Für die Aufführung eines Oratoriums macht er sich auf, junge Sänger zu suchen und geht dafür in Pubs, Geschäfte, schließlich auch in Lazarette. Durch und durch Humanist, gelingt es ihm, versehrten Heimkehrern wie überhaupt der Einwohnerschaft durch das gemeinsame Musizieren Halt zu geben…
Regisseur Nicholas Hytner (»The Lady in the Van«) inszeniert die berührende Geschichte sorgfältig, in langen Einstellungen und ruhigen Bildern, die seine langjährige Theaterpraxis spürbar machen. Der große Ralph Fiennes spielt einmal mehr so unaufdringlich wie exzellent, einen überaus kultivierten Einzelgänger, den eine falsche Stimmlage durchaus aus der Fassung zu bringen vermag, ohne dass er je die Contenance verlöre. Mit einem kaum merklichen Augenbrauenzucken macht er eine ganze innere Landschaft sichtbar. Sein Spiel durchzieht Nicholas Hytners guten englischen Humor mit einem durchgehend melancholischen Grundton. Das stilsicher inszenierte historische Drama verweist gerade durch seinen zeitlichen Abstand um so dringlicher auf die prekäre Gegenwart.
Grit Dora
Buch: Alan Bennett
Regie: Nicholas Hytner
Darsteller: Ralph Fiennes, Tylor Uttley, Oliver Briscombe
Kamera: Usmaan Arshad
Musik: George Arthurs
Bundesstart:
Start in Dresden:
FSK: ab 12 Jahren