The Love That Remains
Eine Trennung steht im Raum. Anna (Saga Garðarsdóttir) und Magnús (Sverrir Gudnason) mögen sich noch, Restliebe scheint also vorhanden, Gemeinheiten gegeneinander finden nicht statt. Aber das reicht scheinbar nicht, um zusammen zu bleiben. Schade, denn sie leben gemeinsam mit ihren drei Kindern und der Familienhündin Panda an der oft unwirschen Küste Islands ein beschauliches Leben. Maggi, als Hochseefischer oft tagelang auf See, sorgt für eine ausgeglichene Familienkasse, Anna ist beseelt von ihrem Wunsch, sich als Künstlerin einen Namen zu machen. Trotz ihrer Trennungsabsichten verbringen alle miteinander Zeit beim Wandern, Schlittschuhlaufen, Angeln oder der Wildpferd- wie Walbeobachtung. Tun Anna und Magnús das alles nur der Kinder wegen, oder fühlen sie sich einander doch noch verbunden? Der isländische Regisseur Hlynur Pálmason (»Godland«) setzt seine Heimat einmal mehr liebevoll in Szene und übt sich in teils schwarzem Humor und surrealistischen Traum-Sequenzen. Besonders eindrücklich ist sein Umgang mit der Zeit: Annas Kunst lebt von korrodierenden Metallabdrücken, Magnús kommt bei seiner Arbeit auf hoher See das Zeitgefühl abhanden. Pálmason entfaltet poetische Momente und kontrastiert sie mit Brachialhumor. Zwischendrin wuselt allzeit der Hund. Der Regisseur wählt einen sehr persönlichen Zugang. Annas Kunst geht zurück auf die Werke, die Pálmason abseits seiner Regiearbeiten schafft. Und die Kinder werden von des Regisseurs eigenem Nachwuchs gespielt. Elegant umschifft er die Gefahr von Distanzverlust, indem er seine 35mm-Kamera meist auf Abstand hält. Auch die Dialoge sind distanziert, trocken und tragikomisch. Man möchte sagen: typisch Island.
Grit Dora
Buch: Hlynur Pálmason
Regie: Hlynur Pálmason
Darsteller: Saga Garðarsdóttir, Ída Mekkín Hlynsdóttir, Sverrir Gudnason, Kristinn Guðmundsson
Kamera: Hlynur Pálmason
Musik: Harry Hunt
Bundesstart: 18.06.2026
Start in Dresden: 18.06.2026
FSK: ab 12 Jahren