Normal
Ulysses (Bob Odenkirk) dachte, er würde einen leichten Bürojob antreten und ab und zu entspannt Streife fahren. Als temporärer Sheriff im verschneiten Kaff Normal, Minnesota soll er vor allem Präsenz zeigen und die Routine verwalten. Nach acht Wochen soll er sich möglichst unauffällig wieder verabschieden. Für Ulysses ist das genau das Richtige, denn er will Abstand gewinnen - sowohl von seinen Eheproblemen als auch von den moralischen Narben des Polizeidienstes. Doch als ein Bankraub schief geht, stößt er auf Risse in der perfekten Kleinstadtfassade. Plötzlich scheint jeder Laden und jedes Hinterzimmer Teil eines korrupten Netzes zu sein, in das alle Einwohner verstrickt sind - von der Kneipenwirtin bis zum Bürgermeister.
Ben Wheatley inszeniert »Normal« als bitterböse Variation des Kleinstadt-Thrillers: Zwischen Diners, Kirchenbänken und vereisten Straßen entfaltet sich ein Geflecht aus Korruption, Loyalität und lange verdrängter Gewalt. Der Film gleicht einem wilden, blutigen Neo-Western à la Tarantino: Die Action startet zunächst verhalten, ehe sie sich in einer fast 45-minütigen, tolldreisten Sequenz entlädt, in der sich Sheriff, Bankräuber und halbe Stadt gegenseitig beschießen. Wheatley setzt dabei auf chaotische, aber präzise choreografierte Gewalt, überraschende Waffen und grotesk-komische Bilder. Autor Derek Kolstad, der bereits die »Nobody«- und »John Wick«-Reihen kreiert hat, sorgt gemeinsam mit Co-Autor Odenkirk für einen gehörigen Schuss galligen Humors und treibt die Spannung bis in den letzten Moment. So weiß der Zuschauer nie genau, ob er lachen, sich ducken oder einfach nur staunen soll.
Viktoria Franke
Buch: Derek Kolstad
Regie: Ben Wheatley
Darsteller: Bob Odenkirk, Reena Jolly, Brendan Fletcher
Kamera: Armando Salas
Musik: Harry Gregson-Williams
Bundesstart: 16.04.2026
Start in Dresden: 16.04.2026
FSK: ab 16 Jahren