Gentle Monster

Drama/Thriller, Österreich/Deutschland/Frankreich 2026, 112 min

Die Konzertpianistin Lucy liebt Philip und ist mit ihm und dem gemeinsamen Sohn aufs Land gezogen, Philips Burnout ist der Grund. Für Lucy bedeutet die Ortsveränderung einen beruflichen Einschritt. Eines Morgens steht die Polizei vor der Tür. Eine Hausdurchsuchung, ein schwerer Vorwurf gegen Philip - plötzlich muss Lucy entscheiden, wie groß ihre Loyalität für den Mann ist, den sie ganz und gar zu kennen glaubte. Parallel erzählt Regisseurin Marie Kreutzer von Elsa, einer Sonderermittlerin, die ganz in ihrer Arbeit aufgeht und zugleich mit der Demenz ihres Vaters umgehen muss.
Zwei Frauen, zwei Männer, zwei Formen von Abhängigkeit: Kreutzer, setzt sich wie in »Der Boden unter den Füßen« (2019) und »Corsage« (2022) mit weiblicher Selbstbestimmung und gesellschaftlichen Erwartungen auseinander. Sie macht aus dem Stoff keinen klassischen Krimi. Die Frage ist nicht, was geschah, sondern was eine neue Wahrheit mit den Menschen macht, die mit ihr leben müssen. Ein starkes europäisches Ensemble trägt den Film. Léa Seydoux spielt die Musikerin Lucy verletzlich, fassungslos und zunehmend entschlossen. Jella Haase setzt als Elsa einen deutlichen Gegenpol: kontrolliert, nüchtern und dennoch berührt von dem, was sie ermittelt. Laurence Rupp spielt seinen Philip als Mann, dessen dunkle Seite gerade deshalb so verstörend wirkt, weil sie mit dem vertrauten Menschen zusammenfällt. Großartig flankiert werden die drei von Catherine Deneuve als Lucys Mutter und Sylvester Groth als Elsas Vater.
Judith Kaufmanns Kamera und Ulrike Koflers Montage unterstützen Kreutzers zunehmend beklemmende Inszenierung. »Gentle Monster« ist ein Film über Menschen, die mit dem Verdacht, der Gewalt und der Ungewissheit weiterleben müssen. Und über die Frage, wie viel man von einem geliebten Menschen eigentlich wissen will.
Grit Dora