Staatsschutz
Schnell macht sich ein Gefühl der Bedrohung breit. Zwar wird die junge Staatsanwältin Seyo Kim in Faraz Shariats »Staatsschutz« nicht gerade als Heldin eingeführt, aber dieses ungute Gefühl in der Magengegend bringt uns ihr schnell näher. Und genauso schnell wird das Gefühl bestätigt: Es gibt einen Anschlag auf ihr Leben. Sofort lässt Seyo Ermittlungen einleiten, doch die Staatsanwaltschaft, für die sie selbst arbeitet, mauert. Sie solle sich raushalten aus den Untersuchungen. Aber Seyo sucht sich eine Anwältin und will das System von innen heraus aufbrechen. Ein System, das offensichtlich auf dem rechten Auge blind ist - auch im realen Leben. Man denke nur an die InRa-Studie über Rassismus in staatlichen Institutionen, die im Februar 2026 - ohne Pressestatement und an einem Freitagnachmittag - veröffentlicht wurde.
Dem neuen Film von Faraz Shariat gingen jahrelange Recherchen durch die Autorinnen Claudia Schaefer, Dr. Sun-Ju Choi und Jee-Un Kim voraus. Der NSU, der Fall Oury Jalloh, die Anschläge von Halle und Hanau, der Neukölln-Komplex und die jeweils damit verbundenen Untersuchungen waren nur ein Teil der realen Fälle, auf die sich »Staatsschutz« bezieht. Dabei ging es um die grundlegende Frage, warum antifaschistisch eingestellte Menschen die Arbeitslaufbahn in staatlichen Institutionen meiden und damit oft das Feld dem rechten Spektrum überlassen. Schon Fritz Bauer, jüdischer Generalstaatsanwalt in Hessen, der die Auschwitz-Prozesse vorantrieb, soll gesagt haben: „Wenn ich mein Büro verlasse, betrete ich feindliches Ausland.“ Und damit beschrieb er die Isolation, in der er arbeitete.
Seyo sucht sich jedenfalls Verbündete, um für eine wehrhafte Demokratie zu kämpfen. Ein spannendes Plädoyer für Gemeinschaft und Widerstand auch im ländlichen Raum. Doch reicht das, um das Vertrauen in Justitia wiederzufinden?
mana
Buch: Claudia Schaefer, Sun-Ju Choi, Jee-Un Kim
Regie: Faraz Shariat
Darsteller: Chen Emilie Yan, Julia Jentsch, Alev Irmak, Arnd Klawitter, Sebastian Urzendowsky, Kathrin Angerer, Jean Philippe Kodjo Adabra
Kamera: Lotta Kilian
Musik: Gabríel Ólafs
Produktion: Jünglinge Film
Bundesstart: 27.08.2026
Start in Dresden: 27.08.2026