Experimente: Eyes Wide Open
Tickets: http://www.filmfest-dresden.de/de/programm/online-programm
Filme der Programmreihe „Experimente” sind grundsätzlich Interventionen, die etablierte Darstellungsformen in neue Bahnen lenken und dabei die Betrachter:innen zum Perspektivwechsel einladen. Es handelt sich um Grenzüberschreitungen, die Kategorien wie Gattung und Genre, Film und Performance, ja selbst Zeit und Raum auflösen. Jenseits des Raum-Zeit-Kontinuums oder in „Zwischenräumen” angesiedelt, ermöglichen es ungewohnte, manchmal gar utopische Konstellationen, Macht- und Gesellschaftssysteme gleichsam von außen in den Blick zu nehmen und sie auf diese Weise zu erschüttern.
Gleich der erste Film des Programms, PIDIKWE, ist ein audiovisueller Wirbelsturm, der die Ausbeutung des indigenen, weiblichen Körpers durch den kolonialen Blick gewissermaßen umkehrt. Der Film der franko-kanadischen Filmemacherin und Künstlerin Caroline Monnet bietet diesen Frauen die Möglichkeit, die Kontrolle über ihr Bild zurückzugewinnen und einen Prozess der Selbstbestimmung einzuleiten.
Sasha Pirkers EVERYONE DESERVES A SLICE OF THE PIE ist eine surreale Collage, die den subversiven Charakter des Kinos feiert, Inspiration in den Slapstickfilmen aus der Frühzeit des Kinos findet, zum Zeichensetzen in der Gegenwart auffordert, um für unsere Zukunft zu kämpfen.
WINNER von der multidisziplinären Künstlerin Marianna Simnett führt uns in eine halluzinatorische Welt, die an CLOCKWORK ORANGE von Stanley Kubrick erinnert und spielerisch Machthierarchien und Massenpsychologie beim Fußball seziert. Triumph und Niederlage, Leid und Brutalität, Spiel und Eskalation liegen dicht beieinander.
BLIND, INS AUGE von Atefeh Kheirabadi und Mehrad Sepahniai ist eine Dokumentation, welche die brutale Repression durch die Revolutionsgarden und Sicherheitskräfte gegenüber friedlichen Demonstrant:innen im Iran beleuchtet. Angesichts der Ereignisse seit Ende Februar 2026 und nach den Tyrannenmorden steht das Land vor einer ungewissen Zukunft. Es bleibt nur die Hoffnung auf Justiz und Freiheit für das Volk.
DI NOTTE von Anouk Chambaz oszilliert zwischen Dunkelheit und Licht, Traum und Wachsein, Unbekanntem und Vertrautem, Erinnerung und Vorstellungskraft – dem Schwebezustand, in dem Filme auch im Kinosaal erlebt werden.
THE END von Claudia Larcher ist eine KI-generierte ironisch-dystopische Zukunftsvision des Kinos. Nicolaas Schmidts LINEAR ENDJOY führt (technische) Vergangenheit und die gesellschaftlich-kulturelle Gegenwart noch einmal zusammen und lässt damit das Programm ausklingen.
Sven Pötting