Liebhaberinnen
Die erste böse Pointe Elfriede Jelineks ist es, Brigitte und Paula als Liebhaberinnen zu bezeichnen; ein zweideutiger Begriff in einem unzweideutigen Kontext. Brigitte (Johanna Wokalek) arbeitet als Messehostess und kennt ihren Marktwert (und dessen Zeitwert) nur zu gut. Sie macht den gut betuchten Heinz zu ihrem Liebhaber, willens, die Härten dieses Wegs, zugunsten des Ziels, eines auskömmlichen Lebens, endlich zu meistern. Paula (Hannah Schiller) hingegen steht erst am Anfang des dornigen Pfades. Was bei Brigitte nach Aufstieg aussieht, hat einen derben Beigeschmack. Ein Tauschgeschäft: Schönheit gegen Sicherheit, Jugend gegen ökonomische Abhängigkeit. Elfriede Jelinek veröffentlichte ihren dritten Roman „Liebhaberinnen“ 1975. Ihre Untersuchung von Begehren, Besitz und gesellschaftlichen Machtverhältnissen bleibt unerfreulich gegenwärtig.
Regisseurin Koxi nimmt die Jelineksche Schärfe mit ins Kino und macht aus der Geschichte zweier Frauen ein Spiel um Klassen, Körper und die Frage, wie sich Frau ein besseres Leben leisten kann. Besonders viel hat sich in den letzten 50 Jahren dann doch nicht geändert.
Koxi, die zuvor vor allem als bildende Künstlerin gearbeitet hat, hat kein Interesse an einer Literaturverfilmung. Die 1980 in Wien geborene Künstlerin arbeitet medienübergreifend mit Film, Video, Performance und Installation. Ihr Markenzeichen ist die Verbindung von dokumentarischer Beobachtung mit inszenierten Situationen und dem Fokus auf Körper, Rollenbilder, soziale Abhängigkeiten und die Mechanismen von Sichtbarkeit.
Für ihren Film verpflanzt Koxi das bei Jelinek österreichische Dorfmilieu in die heutige Arbeits- und Lebenswelt. Vorgeführt wird eine Gegenwart, in der weibliche Körper noch immer als Kapital funktionieren und soziale Mobilität ihren Preis hat.
Grit Dora
Buch: Koxi, Antonio de Luca
Regie: Koxi
Darsteller: Johanna Wokalek, Hannah Schiller, Ben Münchow, Victoria Trauttmansdorff, Jasmin Artosha Mokhtare, Susanne Bredehöft
Kamera: Jakob Berger
Musik: Antonio de Luca
Produktion: COIN FILM, Amour Fou Luxembourg, bildundtonfabrik
Bundesstart: 22.10.2026
Start in Dresden: 22.10.2026
FSK: ab 16 Jahren